Unterschiede zwischen Nahtoderfahrungen einerseits
und Halluzinationen sowie vergleichbaren Hirnprodukten andererseits

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Oft wird behauptet, Nahtoderlebnisse bzw. Nahtoderfahrungen (NTE) seien „nichts weiter als“ Halluzinationen, Träume oder ähnliche Produkte des menschlichen Gehirns, hervorgerufen etwa durch Sauerstoffmangel. Es finden sich jedoch gravierende Unterschiede zwischen Nahtoderfahrungen und derartigen Zuständen, die im folgenden kurz angesprochen werden. Angesichts dieser Unterschiede dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei Nahtoderfahrungen lediglich um traumartige Gebilde ohne weitergehende Bedeutung handelt, sehr gering sein. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass diese Erfahrungen sich auf etwas Wirkliches und nicht lediglich Eingebildetes beziehen.


Vorab eine kurze Anmerkung:

Äußerungen von Naturwissenschaftlern zum Thema Nahtoderfahrungen sind nicht immer objektiv. Objektiv in dem Sinne, dass die Forscher sich auf das beschränken, was Naturwissenschaft tatsächlich zu leisten vermag, nämlich mit den Methoden der Beobachtung, des Messens, Berechnens und wiederholbarer Experimente Gesetzmäßigkeiten innerhalb der Welt festzustellen. Naturwissenschaft, die gerade durch den Verzicht auf das Alles-wissen-Können, auf die Erkenntnis der Wesensgründe, ihren Siegeszug bei der Erforschung des Universums erst möglich machte, ist nur dann wissenschaftlich, wenn sie die von ihr selbst gesetzte Beschränkung auf das Fassbare und Messbare nicht durchbricht. Andernfalls besteht die Gefahr der bloßen Spekulation, der ungesicherten Behauptung. Sobald ein Forscher mit seinen Äußerungen die der Naturwissenschaft innewohnende Grenze überschreitet und z.B. behauptet, es gäbe keine nichtmaterielle Welt, hat er seine naturwissenschaftlichen Kompetenzen verletzt. Dasselbe gilt, wenn er im Namen der Naturwissenschaft behauptet, es gäbe Gott oder es gäbe ihn nicht. Hierzu kann die Naturwissenschaft, ihrem Wesen nach, keine Aussagen treffen. Dem wird jeder seriöse Forscher zustimmen.

Leider kommt es nicht selten vor, dass Naturwissenschaftler – sicher häufig unbewusst – sich nicht auf die ihnen ureigenen Bereiche und Methoden beschränken, sondern ihren Feststellungen deutend Bestandteile beimengen, die wissenschaftsfremd sind. So fließen häufig, etwa bei wissenschaftlichen Forschungsarbeiten zum Thema Nahtoderfahrungen, fast unmerklich weltanschauliche Voraussetzungen in die Ergebnisse ein (Günter Ewald). Meist wird dabei (unausgesprochen) vorausgesetzt, dass es eine nicht sinnlich erfahrbare Welt überhaupt nicht geben kann (Ulrich Eibach). Auch die herrschende Meinung, Gehirntätigkeiten seien die Ursache des menschlichen Geistes, das Bewusstsein somit eine Funktion, ein Produkt der Gehirntätigkeit, wird – obwohl dies keine wissenschaftliche Feststellung ist – nicht hinterfragt. Schließlich werden manchmal bloße Hypothesen als unbezweifelbare Wahrheit ausgegeben, vor allem in populärwissenschaftlichen Darstellungen.

Daher fußen so manche Aussagen von Naturwissenschaftlern – gerade auch zum Thema Nahtoderfahrungen – auf ihrer eigenen Weltanschauung, beruhen einerseits auf einer „ideologisch-rationalistischen Festgelegtheit“ (Eibach) und Unbeweglichkeit, andererseits auf der Verletzung naturwissenschaftlicher Methodik durch unausgesprochene Voraussetzungen und Hinzudeutungen.

Selbstverständlich sollte die Naturwissenschaft weiterhin das Phänomen der Nahtoderfahrungen erforschen, vielleicht sogar die von ihr gezogenen Grenzen der Methodik überschreiten - sie sollte dabei aber die Grundlagen benennen und nicht auf unausgesprochenen Voraussetzungen aufbauen. Durch solche Grenzüberschreitungen wird vielleicht ein streng wissenschaftlicher Beweis nicht mehr möglich sein; an seine Stelle könnte dann die (geringe oder große) Wahrscheinlichkeit einer Erklärung treten.


Im Folgenden wird versucht, in Form einer Tabelle stichwortartig einerseits die diversen Erklärungsversuche, Hypothesen und Behauptungen zum Thema Nahtoderfahrungen vorzustellen, andererseits aufzulisten, was dagegen spricht, darunter insbesondere die Unterschiede zwischen Nahtoderfahrungen und den verschiedenen Erklärungsmodellen. Im oberen Bereich der Tabelle („Nahtoderfahrungen haben bloße materielle Ursachen“) wird das Allgemeinere und Umfassendere angesprochen, darunter das Speziellere. Häufig, wenn nicht sogar in den meisten Fällen, genügen die allgemeineren Argumente zur Widerlegung der einzelnen Erklärungsmodelle.

Noch einige kurze inhaltliche Hinweise: Wegen der einzelnen Elemente positiver Nahtoderfahrungen (negative treten weit seltener auf), von denen der Betroffene in der Regel nur einige erlebt, siehe www.christian-von-kamp.de/nahtoderfahrung/nahtod-erfahrungen.htm und http://www.christian-von-kamp.de/nahtoderfahrung/nahtod.htm .

Zu den wichtigsten Merkmalen der Nahtoderfahrungen zählen (neben einer ganzen Reihe anderer):

  • ein tiefes Gefühl des Friedens und des Glücks
  • eine außerordentliche geistige Hellwachheit
  • die außerkörperliche Erfahrung, das Schweben außerhalb des eigenen Körpers (OBE, Out of Body Experience)
  • das Tunnel-Erlebnis
  • die Begegnung mit Verstorbenen
  • das Erleben einer himmlischen Welt
  • die Erfahrung des Lichts, die Begegnung mit Lichtwesen
  • das Erlebnis bedingungsloser Liebe
  • der Lebensrückblick

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass bei Nahtoderfahrungen Unsagbares und schwer zu Erklärendes auch in Bildern und Symbolen erlebt werden kann, und dass NTE auch traumhafte und halluzinative Elemente enthalten können, ohne jedoch auf diese beschränkt und 
nichts weiter als ... zu sein.


Erklärungsversuch, Hypothese, Behauptung

Dagegen spricht

Nahtoderfahrungen haben bloße materielle Ursachen, insbesondere bestimmte Prozesse im Gehirn.

  • Sinnhaftigkeit: Mehrere Elemente von Nahtoderfahrungen, z.B. die Begegnung mit dem Liebe ausstrahlenden Licht, insbesondere aber die das eigene Leben bewertenden Lebensrückblicke, weisen eine tiefe Sinndimension auf. Die Sinnerfahrung besteht in der Bewertung eigenen Handelns im bisherigen Leben unter dem Gesichtspunkt der Liebe. Diese Erfahrung vermittelt zudem Impulse für und hat Auswirkungen auf das zukünftige Leben: In der Regel werden zwischenmenschliche Beziehungen höher geschätzt, nimmt der Glauben an eine höhere Macht zu, verringert sich die Angst vor dem Tod.

  • Sinnzusammenhang: Anders als Erlebnisse aufgrund gestörter Hirnfunktionen geschehen Nahtoderfahrungen in einer sinnvollen szenischen Abfolge, die auf die Erlebenden wie geplant wirkt.

  • Ursache oder Auslöser: Die Naturwissenschaft kann mit ihren Mitteln nicht feststellen, ob biologische Prozesse im Gehirn Nahtoderfahrungen erzeugen, verursachen, oder ob die Erfahrungen durch Hirnprozesse lediglich vermittelt, ausgelöst werden; ob es also einen „Schalter“ im Gehirn gibt, der einen Zugang zu Transzendenz-Erfahrungen eröffnet, ähnlich wie ein Stromschalter bewirkt, dass der Strom fließt, wobei der Schalter keineswegs Ursache oder Erzeuger des Stroms ist. Die bloße Beteiligung von Hirnprozessen an Nahtoderfahrungen erklärt nicht ihren Inhalt, ihr Wesen.

  • Ähnlichkeit oder fehlende Eindeutigkeit der Symptome rechtfertigen nicht die grundsätzliche Gleichsetzung der Ursachen. Sowohl bei der Schläfenlappen-Epilepsie wie bei einer Nahtoderfahrung können Lichterscheinungen und Glücksgefühle auftreten, dennoch wäre es falsch, daraus auf das gleiche Wirkprinzip zu schließen. Auch für eine Scheinschwangerschaft bestehen, trotz ähnlicher Symptome, ganz andere Ursachen als für eine echten Schwangerschaft, ebenso wie die sexuelle Erregung oder die Fantasien beim Geschlechtsverkehr und beim Anschauen eines Pornofilms unbestritten aus unterschiedlichen Quellen kommen.

  • Teilerklärung: Die unterschiedlichen Erklärungsmodelle beziehen sich in aller Regel nur auf einzelne Elemente von Nahtoderfahrungen, wie z.B. die OBE oder das Tunnel-Licht-Phänomen. Die Vielzahl der bei Nahtoderfahrungen auftretenden Komponenten / Hauptmerkmale können sie hingegen nicht erklären, schon gar nicht in ihrem umfassenden Zusammenspiel. Wird z.B. ein bestimmter Hirnprozess als Ursache für das Licht vermutet, so erklärt sich hierdurch noch nicht dessen personale oder mystische Qualität, ganz zu schweigen von fehlenden weiteren Elementen wie OBE, Begegnung mit Verstorbenen, Lebensrückblick usw. sowie dem Gesamtzusammenhang aller dieser Teilphänomene.

  • Vielfältige Anlässe von Nahtoderfahrungen: Nicht nur in Todesnähe treten „Nahtod“-Erfahrungen auf, z.B. bei Verkehrsunfällen, bei Zwischenfällen während einer Operation, bei anderen medizinischen Notfällen, sondern z.B. auch in Schocksituationen, bei Depressionen, bei der Anwendung meditativer Techniken, bei Drogenkonsum oder der Einnahme von Medikamenten (die allerdings auch Ursache der Erfahrung NTE-ähnlicher Einzelelemente sein können), in Krisensituationen oder als Spontanereignisse, z.B. im Schlaf oder beim Spaziergang. Diese vielfältigen Gelegenheiten sprechen gegen Erklärungen, die im Zusammenhang mit einzelnen Anlässen, wie der Todesnähe, von Bedeutung sind (bei Todesnähe z.B. die Erklärung mit Todesangst, Sauerstoffmangel oder einer letzten Aktivität des sterbenden Gehirns).

  • Gleiche Hauptmerkmale: Nahtoderfahrungen treten mit identischen Hauptmerkmalen / Grundelementen auf (z.B. OBE, Tunnelphänomen, Begegnung mit Lichtwesen, Lebensrückschau usw., wobei meist nicht alle diese Elemente bei den einzelnen Betroffenen vorkommen), sind dabei von überindividuellem, Religions- und Kultur-übergreifendem Charakter und vollziehen sich nach ähnlichen Mustern und in ähnlicher Reihenfolge. Die gemeinsamen Grundmerkmale sind bei den einzelnen Betroffenen lediglich verschieden ausgestaltet (je nach individuellem Lebenshintergrund), auch die Deutung kann unterschiedlich sein. Bei den meisten der in der linken Spalte genannten Erklärungsversuche hingegen überwiegen deutlich jeweils die individuellen (auch weltanschaulich und kulturell geprägten) Unterschiede, es fehlen die für Nahtoderfahrungen typischen gemeinsamen, in ähnlichem Ablauf auftretenden Hauptelemente.

  • Variationsbreite der Hauptmerkmale: Die Hauptelemente treten bei gleicher inhaltlicher Bedeutung in unterschiedlicher Ausgestaltung auf. Beispiel: Tunnelphänomen, das inhaltlich als "Phase des Übergangs" (Nicolay) in eine andere Daseinsform anzusehen ist: Der Tunnel kann einem Darm ähneln oder wie eine mit Ziegeln gemauerte Röhre erscheinen, kann wie ein Gang aussehen oder wie eine Landstraße mit Hecken, die Bewegung durch ihn kann schnell oder langsam, gehend, fliegend oder krabbelnd geschehen, anstelle des Tunnels kann eine Treppe, eine Leiter, eine Öffnung in der Zimmerdecke für den Übergang dienen, usw. Diese vielfältige Ausgestaltung des Tunnel-Merkmals (wie auch anderer Grundelemente, z.B. der Lebensrückschau oder der Erfahrung einer Grenze) spricht deutlich gegen naturalistische Erklärungsversuche.

  • Bewusstsein ohne Gehirntätigkeit: Gerade bei Nahtoderfahrungen in echten Todesnähe-Situationen, wenn der Erlebende sich z.B. nach einem Unfall oder bei Komplikationen während einer Operation in tiefer Bewusstlosigkeit befindet, in einer Phase klinischen Todes, fehlenden EEG-Ausschlags und schwerer Beeinträchtigung der für die Erfahrung und Erinnerung zuständigen Hirnstrukturen, tritt die paradox scheinende Lage auf, dass komplexe Wahrnehmungen, gesteigerte logische Denkprozesse und deutliche Empfindungen auftreten, an die der Erlebende sich noch nach Jahren oft sehr genau erinnert. Ohne die Aktivität der Großhirnrinde ist nach der Aussage von Hirnforschern eine bewusste Erfahrung unmöglich. Dennoch werden, z.B. bei Herzstillstand, Nahtoderfahrungen trotz des Verlustes sämtlicher Funktionen der Hirnrinde und des Hirnstamms gemacht.

  • Computeranalogien des Gehirns: Nahtoderfahrungen werden häufig als Leistungen eines Gehirn-Computers erklärt. Gerade die Aktivitäten eines Computers sind jedoch nicht aus einem in sich geschlossenen System heraus erklärbar. Vielmehr braucht der Computer neben Hard- und Software, die von einem Hersteller / Programmierer stammen, einen Nutzer / User. Beide, sowohl der Produzent wie der Benutzer, bestehen unabhängig vom Computer.

  • Begegnung nur mit Verstorbenen: Nahtoderfahrende begegnen (bis auf wenige Ausnahmen) immer nur verstorbenen, nie lebenden Personen. Manchmal begegnen sie auch Verstorbenen, deren Ableben ihnen bisher nicht bekannt war. Kinder treffen bei Nahtoderfahrungen nie ihre lebenden Eltern – was gerade für sie bei einer Verursachung durch Hirnprozesse, also bei Träumen, Halluzinationen o.ä., das Nächstliegende wäre.

OBE sind reine Hirnprodukte, sie können auch durch künstliche Hirnstimulation erzeugt werden.

  • Während bei echten OBE Ängste selten auftreten, gehen künstlich erzeugte „OBE“ meistens mit Ängsten einher.

  • Bei echten OBE ist die Denkfähigkeit erheblich gesteigert, und es findet eine stark erhöhte Wahrnehmung der physischen Umwelt statt. Beides tritt bei provozierten OBE nur in Ausnahmefällen auf.

  • Im Rahmen ihrer (echten) OBE können Blinde ihre Umwelt genau und weitgehend zutreffend beschreiben, hingegen nicht bei einer künstlichen OBE.

Lebensrückblicke in Nahtoderfahrungen sind bloße Erinnerungen an das frühere Leben infolge gesteigerter Aktivität bestimmter Hirnbereiche.

  • Versuche mit Elektrostimulation des Hirns rufen keine umfassende Lebensrückschau hervor, es kommen lediglich Bruchstücke der Erinnerung zutage.

Nahtoderfahrungen sind Halluzinationen, also (in der Regel krankhafte) Sinnestäuschungen bzw. Sinneswahrnehmungen ohne Reizgrundlage.

  • Auch taube oder blinde Menschen berichten von Nahtoderfahrungen mit Hör- und Seheindrücken. Halluzinationen hingegen erfordern in der Regel funktionsfähige Sinnesorgane.

  • Halluzinationen treten oft bei Psychosen auf. Dennoch sind Nahtoderfahrungen bei geisteskranken Menschen nicht häufiger als bei gesunden zu finden.

  • Nahtoderfahrungen fördern eher die seelische Gesundheit, Halluzinationen hingegen nicht (siehe auch oben unter „Sinnhaftigkeit“).

  • Während sich bei Halluzinierenden im EEG in aller Regel Aktivitätsmuster des Gehirns finden, werden bei vielen Nahtodfällen nur Null-Linien aufgezeichnet.

  • Halluzinationen werden meist als bedrückend und albtraumhaft erlebt, wohingegen Nahtoderfahrungen weitaus überwiegend mit tiefen positiven Gefühlen wie Liebe und Geborgenheit verbunden sind.

  • Halluzinierende erinnern sich später nur nebelhaft und bruchstückhaft an ihre Erlebnisse, während Nahtoderfahrungen detailgetreu im Gedächtnis bewahrt werden.

  • Das in Halluzinationen Erlebte hat, anders als Nahtoderfahrungen, keine tiefergehende Bedeutung für den Betreffenden, es findet keine charakterliche Wandlung statt (siehe auch oben unter „Sinnhaftigkeit“).

  • In der Regel fehlen bei Halluzinationen Merkmale wie OBE, Lebensrückschau und Erlebnis starker Liebe (siehe oben unter „Teilerklärung“).

  • Halluzinierende verhalten sich passiv, Nahtoderfahrende hingegen sind immer der aktive Geschehensmittelpunkt.

  • Die Gleichsetzung von Nahtoderfahrungen mit Halluzinationen scheitert daran, dass Nahtoderfahrungen mit identischen Hauptelementen (von überindividuellem und kulturübergreifendem Charakter) auftreten, wohingegen Halluzinationen jeweils individuelle Inhalte haben (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“).

  • Keine sinnvolle szenische Abfolge bei Halluzinationen (siehe oben unter „Sinnzusammenhang“).

  • Da Kinder vom Tod andere Vorstellungen als Erwachsene haben, müssten sie andere Nahtoderfahrungen als diese erleben, wenn es sich um bloße Halluzinationen handelte. Die Erfahrungen sind jedoch im wesentlichen die gleichen.

  • Der Lebensrückblick geschieht überwiegend in Form genauester Erinnerungen, daher kann es sich nicht um eine Halluzination handeln.

  • Angehörige und Krankenhauspersonal können die berichteten genauen Wahrnehmungen in OBE, die nicht selten in tiefer Bewusstlosigkeit stattfinden, oft als zutreffend bestätigen. Wahrnehmungen sind nicht halluziniert, Halluzinationen hingegen bedeuten den Verlust des Kontaktes zur Wirklichkeit.

  • Das Gehirn eines klinisch toten Menschen kann wegen des Verlustes der Funktionen der Hirnrinde keine Halluzinationen mehr haben. Dennoch finden in einem solchen Zustand nicht selten Nahtoderfahrungen statt.

  • Im Gegensatz zu Nahtoderfahrungen, die häufig in einem Zustand der Bewusstlosigkeit gemacht werden, treten Halluzinationen in einem wachen Zustand auf.

  • Auch die Begegnung und Kommunikation von NTE-Erfahrenden mit Verstorbenen, von deren Tod sie nichts wissen konnten, spricht gegen Halluzinationen.

Auch bei Halluzinationen finden sich Elemente wie das Tunnelsehen oder das Lichtsehen.

  • Die typischen Grundstrukturen von Nahtoderfahrungen reichen über derartige Einzelelemente weit hinaus (siehe oben unter „Teilerklärung“).

Bei OBE werden Bilder und Stimmen halluziniert.

  • Stimmen oder Bilder, die Halluzinierende erfahren, haben keinen Bezug zur aktuellen Wirklichkeit. Nahtoderfahrene erinnern sich in der Regel an wirkliche in der OBE wahrgenommene Bilder und Stimmen, was vielfach durch Außenstehende belegt wurde.

OBE sind autoskopische / heautoskopische Halluzinationen (Doppelgängerwahn: Spiegelbildsehen der eigenen Person wie eine andere, wobei der „Doppelgänger“ häufig die eigenen Handlungen imitiert).

  • Der (he)autoskopisch Halluzinierenden beobachtet von seinem Körper aus den Doppelgänger, das Bewusstsein des OBE-Erfahrenden hingegen beschreibt dieser als außerhalb seines materiellen Körpers befindlich.

  • Bei (he)autoskopisch Halluzinierenden tritt keine Standpunktveränderung ein, bei OBE hingegen wird der Standort des beobachtenden Ich häufig verändert, es findet eine schwebende Bewegung statt.

  • Anders als bei (he)autoskopischen Halluzinationen finden beim OBE keine Handlungs- und Bewegungsimitationen statt. Der von außen beobachtete Körper bewegt sich meistens nicht und wird häufig als leblos wahrgenommen, im Gegensatz zum lebendig wirkenden halluzinierten Phantom. Der (he)autoskopisch Halluzinierende kann sogar sein Double mit sich reden hören.

  • Der Körper des halluzinierten Phantoms wird nicht selten seitenverkehrt und oft nur teilweise gesehen (z.B. nur Kopf und Hals), der im OBE beobachtete Körper wird, falls nicht teilweise verdeckt, als Ganzes erblickt.

  • Das halluzinierte Double wirkt meist – im Gegensatz zum real erscheinenden Körper im OBE – hauchdünn, durchsichtig und farblos.

  • Im OBE ist der Erfahrende meist freudig gestimmt, während der (he)autoskopisch Halluzinierende oft Traurigkeit empfindet.

  • Bei der (he)autoskopischen Halluzination fehlen die mystischen und die sinngebenden Erfahrungen der Nahtoderfahrungen.

OBE bestehen aus Erinnerungen (z.B. an Gespräche von Ärzten und Schwestern kurz vor oder nach einer Narkose), Phantasien und Erwartungen. Auch bei Bewusstlosigkeit kann das Gehör manchmal noch funktionieren.

  • Im Gegensatz zu nahtoderfahrenen Patienten konnten Patienten ohne Nahtoderlebnisse ihre Wiederbelebung nicht ohne schwerwiegende Fehler beschreiben.

  • Aus tiefer Bewusstlosigkeit Erwachte können sich nachgewiesenermaßen nicht an Begebenheiten kurz vor und nach der Bewusstlosigkeit erinnern.

  • Überprüfbare Fakten werden in OBE detailgenau wahrgenommen und danach beschrieben, obwohl sie von Ärzten und Pflegekräften nicht angesprochen wurden.

  • Fernwahrnehmungen z.B. aus anderen Räumen, die im nachhinein bestätigt wurden, lassen sich auf diese Weise nicht erklären.

Nahtoderfahrungen beruhen auf Temporallappen-Epilepsien (= Schläfenlappen-Epilepsien).

  • Während bei Temporallappen-Epilepsien die Denkfähigkeit und das Erinnerungsvermögen deutlich abnehmen, kommt es in Nahtoderfahrungen zu einer enorme Steigerung derselben.

  • Im Gegensatz zu Nahtoderfahrungen treten bei Temporallappen-Epilepsien immer wieder psychotische Erlebnisse auf.

  • Die Bilder bei Halluzinationen im Rahmen von Temporallappen-Epilepsien wirken, anders als die komplexen Bilder bei Nahtoderfahrungen, bruchstückhaft und absonderlich.

  • Die für Temporallappen-Epilepsien typischen Geruchs- und Geschmackshalluzinationen treten bei Nahtoderfahrungen gar nicht auf.

Nahtoderfahrungen sind Teile von Psychosen.

  • Bei Psychosen herrschen, anders als bei Nahtoderfahrungen, eher verworrene Gedanken und Bilder vor, die keinen geschlossenen Zusammenhang erkennen lassen.

  • Angsterfahrungen sind bei Psychosen viel häufiger als Glückserfahrungen, wie sie bei den meisten Nahtoderfahrungen auftreten.

  • Nahtoderfahrungen sind, im Gegensatz zu anhaltenden psychotischen Erlebnissen, von kurzer Dauer.

  • Wenn geisteskranke Menschen Nahtoderfahrungen haben, so weisen diese die typischen Nahtod-Elemente auf, die sich deutlich von den psychotischen Erfahrungen der Betroffenen unterscheiden.

  • Nahtoderfahrungen führen eher zu größerer seelischer Gesundheit, Psychosen oft zu Verzweiflung und Niedergeschlagenheit (siehe auch oben unter „Sinnhaftigkeit“).

Nahtoderfahrungen beruhen auf schizophrenieartigen Psychosen.

  • Die in Nahtoderfahrungen gehörten Stimmen bilden sinnvolle Sätze, die in einem Schizophrenie-Anfall halluzinierten Stimmen geben eher unverständliches Kauderwelsch von sich.

  • Psychotisch Kranke verlieren oft ihre Fähigkeit, in der Gesellschaft zu leben und Beziehungen zu entwickeln. Todesnäherückkehrer hingegen gewinnen meist mehr soziale Kompetenz (siehe auch oben unter „Sinnhaftigkeit“).

  • Nahtoderfahrungen erhöhen die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens, während Schizophrenie eher zu einem als sinnentleert empfundenen Dasein führt (siehe auch oben unter „Sinnhaftigkeit“).

Nahtoderfahrungen sind Träume.

  • Auch kleine Kinder haben in einem Alter, in dem sie noch nicht zusammenhängend träumen können, sondern eher einzelne Bilder sehen, komplexe Nahtoderfahrungen.

  • Im Gegensatz zu Träumen verändern Nahtoderfahrungen in der Regel tiefgreifend den Charakter einer Person (siehe oben unter „Sinnhaftigkeit“).

  • Träume bestehen aus individuellen Szenen, Nahtoderfahrungen hingegen aus gemeinsamen Grundelementen (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“).

  • Nahtoderfahrene schildern ihre Erlebnisse als eine Wirklichkeit, die sich deutlich von ihren Traumerfahrungen unterscheidet.

  • Die meisten Träume sind, im Gegensatz zu Nahtoderfahrungen, schnell vergessen.

Nahtoderfahrungen sind Luzid- oder Wachträume.

  • Luzidträume treten ausschließlich im REM-Schlaf auf, Nahtoderfahrungen hingegen nicht, bei einem Teil der Fälle finden sie auch im Wachzustand statt.

  • Bei Nahtoderfahrungen treten wesentlich häufiger als bei Luzidträumen OBE, Tunnel-Licht-Phänomene und mystische Erlebnisse auf.

  • Bilder in Wachträumen sind individuell unterschiedlicher (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“), symbolischer und phantasiereicher als Bilder in Nahtoderfahrungen.

  • Der Wachträumende hat, anders als der Nahtoderfahrende, die Möglichkeit, die Traumszenen zu kontrollieren.

Nahtoderfahrungen sind etwas Ähnliches wie Oneiroide (teilbewusste komplexe Träume, z.B. in komatösen Zuständen).

  • Oneiroide sind stark individuelle Erlebnisse, Nahtoderfahrungen beinhalten hingegen kulturübergreifend identische Hauptmerkmale (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“).

  • Oneiroide sind mit bedrohlichen statt, wie Nahtoderfahrungen, mit meist tief freudigen Gefühlen verbunden.

  • Nahtoderfahrungen sind, im Gegensatz zu Oneiroiden, mit offensichtlichem tiefen Sinn verbunden, z.B. hinsichtlich der Auswirkung auf das weitere Leben (siehe oben unter „Sinnhaftigkeit“).

Nahtoderfahrungen werden durch Sauerstoffmangel und erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut hervorgerufen.

  • Bei Erfahrungen, die durch (künstlich oder natürlich verursachten) Sauerstoffmangel und erhöhten Kohlendioxidgehalt hervorgerufen werden, treten viele typische Nahtod-Elemente nicht auf, z.B. der Lebensrückblick oder die Begegnung mit dem Lichtwesen (siehe oben unter „Teilerklärung“).

  • Solche Erfahrungen führen nicht zu einer Änderung des Lebens (siehe oben unter „Sinnhaftigkeit“).

  • Nahtoderfahrungen treten oft auch auf, wenn sich kein Sauerstoffmangel und erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut findet, sondern häufig bei normaler Sauerstoffkonzentration und sogar bei Sauerstoffüberschuss, z.B. bei Operationen.

  • Sauerstoffmangel in der visuellen Hirnrinde kann eine Art Tunnel-Licht-Sehen hervorrufen, aber nicht die schnelle Bewegung durch den Tunnel, die dort in manchen Fällen auftretende Begegnung mit Verstorbenen oder das Hören von Musik im Tunnel erklären.

Nahtoderfahrungen werden durch Mittel, die Halluzinationen erzeugen (u.a. Rauschmittel), durch Narkosemittel oder durch körpereigene Botenstoffe hervorgerufen.

  • Diese Mittel können Erscheinungen ähnlich denen der Nahtoderfahrungen hervorrufen. Dabei sind jedoch fast immer nur einzelne Nahtod-Komponenten zu finden (siehe oben unter „Teilerklärung“). Zwar können gelegentlich auch unter Drogen (echte) Nahtoderfahrungen auftreten. Es ist jedoch mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht feststellbar, ob die Drogen diese Erfahrungen verursachen oder sie lediglich auslösen (siehe oben unter „Ursache und Auslöser“).

  • Im Gegensatz zu den eher individuellen Erfahrungen aufgrund medikamentöser Substanzen, Rauschmitteln u.ä. weisen Nahtoderfahrungen ähnliche Ablaufmuster auf (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“).

  • Anders als die klaren Nahtoderfahrungen sind die Erfahrungen aufgrund dieser Substanzen in der Regel verschwommen.

  • Drogenkonsumenten erkennen häufig die Unwirklichkeit ihrer Erlebnisse, Nahtoderfahrende hingegen sind von der Wirklichkeit ihrer Erfahrungen vollkommen überzeugt.

  • Der Drogenrausch prägt nicht wie Nahtoderfahrungen das folgende Leben.

  • Typische Wirkungen von Mitteln, die Halluzinationen hervorrufen, wie Denkstörungen, Geräusch- oder Geruchserfahrungen, treten bei Nahtoderfahrungen nicht auf.

  • Gegen die genannten Substanzen als Ursache von Nahtoderfahrungen sprechen die anderen Anlässe für ihr Auftreten (siehe oben „Vielfältige Anlässe von Nahtoderfahrungen“).

  • Ketamin: kann OBE oder Tunnelerlebnis auslösen. Andere wichtige NTE-Elemente fehlen aber. Durch Ketamin hervorgerufene Halluzinationen sind in der Regel beängstigend.

  • Körpereigenes Endorphin: Kann Schmerz stillen und ein friedliches Gefühl auslösen. Andere Elemente einer Nahtoderfahrung fehlen. Die Wirkung des Endorphin (Schmerzlosigkeit) hält, anders als die einer NTE, in der Regel einige Stunden an.

  • LSD, Dipropyltryptamin (DPT), Meskalin, Psilocybin, Dimethyltryptamin (DMT): Ihre Einnahme (DPT und DMT kommen auch im Körper vor) kann eine Reihe von NTE-Elementen zur Folge haben, bis hin zu gelegentlichen Persönlichkeits-Veränderungen. Hier stellt sich die Frage, ob sie dies verursachen oder auslösen (siehe oben unter „Ursache und Auslöser“).

Nahtoderfahrungen kommen von seelischen Erkrankungen.

  • Nahtoderfahrungen treten bei seelisch kranken nicht häufiger als bei gesunden Menschen auf.

  • Nahtoderfahrene zeigen, im Vergleich zu Nicht-Nahtoderfahrenen, keine psychischen Auffälligkeiten.

  • Nahtoderfahrungen haben eher positive Auswirkungen auf die seelische Gesundheit der Betroffenen (siehe auch oben unter „Sinnhaftigkeit“).

  • Die (sogar gesteigerten) Fähigkeiten des Verstandes und des Gedächtnisses in Nahtoderfahrungen, insbesondere auch die Fähigkeit zur ethischen Bewertung, sprechen gegen seelische Erkrankungen als Ursache.

Nahtoderfahrungen beruhen auf Depersonalisation (Verlust / Veränderung des natürlichen Persönlichkeitsgefühls) und Derealisation (verfremdete Wahrnehmung der Umwelt), das Selbst- und Körpergefühl sind gestört.

  • In Nahtoderfahrungen tritt – anders als bei Depersonalisation und Derealisation – kein Gefühl der eigenen Unwirklichkeit oder der Entfremdung von sich selbst auf. Der Betreffende erlebt sich vielmehr als völlig intaktes Ich. Das Selbstgefühl ist häufig gesteigert, alle Wahrnehmungen werden als besonders wirklich empfunden.

  • Bei Nahtoderfahrungen fehlen meist die für die Depersonalisation charakteristischen Angst- und Fremdheitsgefühle.

  • Das Gefühl für das eigene Ich und für den Körper bleibt auch nach der Erfahrung stark ausgeprägt oder steigert sich sogar.

  • Bei Depersonalisation und Derealisation treten keine OBE auf.

Nahtoderfahrungen beruhen auf psychologischen Ursachen wie Angst vor dem Tod.

  • Nahtoderfahrungen ereignen sich in vielen Fällen bei Bewusstlosigkeit, psychologische Ursachen kommen dabei nicht in Betracht.

  • Nahtoderfahrungen treten nicht nur in Todesnähe auf (siehe auch oben unter „Vielfältige Anlässe von Nahtoderfahrungen“).

Angesichts der unausweichlichen Bedrohung wollen Menschen sich von dem Gedanken an den Tod fernhalten und versetzen sich aus Selbstschutz in einen Zustand der Freude (Abwehr des Todes, Verdrängungshypothese).

  • Viele Nahtoderfahrungen finden nicht in Todesnähe statt, sondern z.B. auch bei Meditationen, so dass eine Abwehr des Todes hierbei keine Rolle spielt.

  • Viele Nahtoderfahrende wollen gerade nicht ins schmerzhafte materielle Leben zurückkehren, wünschen sich also geradezu ihren irdischen Tod.

  • In Nahtoderfahrungen kommt auch Schmerzliches vor, wie im Lebensrückblick, in dem Erinnerungen an eigenes liebloses Verhalten auftauchen. Solche negativen Gefühle sind mit einer Verdrängung gerade nicht in Einklang zu bringen.

Psychoanalytische Erklärung: Nahtoderfahrungen sind Regressionen (Rückzug auf eine frühere Entwicklungsstufe).

  • Siehe unter: „Nahtoderfahrungen kommen von seelischen Erkrankungen“.

  • Studien haben ergeben, dass Nahtoderfahrungen nicht von der Art der Persönlichkeit des Betreffenden abhängen, obwohl dies nach den Grundsätzen der Psychoanalyse der Fall sein müsste.

Nahtoderfahrungen sind ein Wiedererleben der Geburt (insbesondere Tunnel-Licht-Phänomen).

  • Durch Kaiserschnitt Geborene haben ebenso oft Nahtoderfahrungen wie normal Geborene.

  • Nahtoderfahrungen sind meist überaus angenehme Erfahrungen, die Geburtserfahrungen sind hingegen schmerzhaft.

  • Durch ein Wiedererleben der Geburt können viele Aspekte von Nahtoderfahrungen wie die Begegnung mit Verstorbenen oder die Lebensrückschau nicht erklärt werden (siehe oben unter „Teilerklärung“).

Nahtoderfahrungen sind nichts weiter als Spiegelungen von Archetypen des sog. kollektiven Unbewussten.

  • Solche Archetypen können OBE nicht erklären.

Nahtoderfahrungen sind nichts anderes als Wunschbilder.

  • Jeder Mensch hat seine individuellen Wünsche, und auch je nach Alter, Religiosität, Kulturzugehörigkeit usw. treten unterschiedliche Wünsche auf. Nahtoderfahrungen hingegen weisen die gleichen Hauptmerkmale auf, unabhängig auch von Bedingungen wie Kultur, Religion, Alter, Rasse, Klasse, Geschlecht, Bildungsniveau, Beruf u.ä. (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“).

  • Viele Kinder wünschen sich wohl am ehesten, ihre (lebenden) Eltern zu sehen, was in den Nahtoderfahrungen der Kinder jedoch nie der Fall ist.

  • In Nahtoderfahrungen kommt auch Schmerzliches vor (z.B. im Lebensrückblick oder in sog. negativen Nahtoderfahrungen), was wohl kaum zu den Wunschbilder gehört.

  • Nahtoderfahrungen führen meist zu Persönlichkeitsveränderungen, die auch mit Konflikten verbunden sein können. Ein seelischer Schutzmechanismus wie die Wunscherfüllung will jedoch Veränderungen vermeiden und alles beim Alten belassen.

  • OBE sind keine Wunschvorstellung, denn sie geben in der Regel die Wirklichkeit wider.

Nahtoderfahrungen sind bloße Vorstellungen und beruhen auf einer gesteigerten Vorstellungsfähigkeit.

  • Bei Nahtod-Betroffenen findet sich kein erhöhtes Vorstellungsvermögen.

  • Vorgestellte Bilder sind, anders als Nahtoderfahrungen mit ihren gemeinsamen Grundelementen, individuell höchst unterschiedlich (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“).

  • Die belegbaren Wahrnehmungen in OBE, etwa der eigenen Wiederbelebung, können nicht bloß vorgestellt sein.

  • Trotz fehlender bildhafter Vorstellungsfähigkeit haben auch blind Geborene optische Nahtoderfahrungen.

Nahtoderfahrungen sind Synästhesien (Umsetzung von Sinnesreizen in mehrere Wahrnehmungen, z.B. von Tönen und Wörtern auch in Farben und Bilder)

  • Synästhesien sind, anders als Nahtoderfahrungen mit ihren Hauptmerkmalen, immer individuell unterschiedlich (siehe oben unter „Gleiche Hauptmerkmale“).

Nahtoderfahrungen sind Folge entsprechender Vorinformationen.

  • Auch Nahtoderfahrungen kleiner Kinder, die kein Vorwissen haben, enthalten die gleichen Hauptelemente wie die Erwachsener.

  • Selbst bei vorhandenem Vorwissen erfüllen Nahtoderfahrungen oft nicht die eigenen Erwartungen.

  • Nahtoderfahrungen informierter und uninformierter Menschen unterscheiden sich nicht.

Nahtoderfahrungen sind unterschwellige Wahrnehmungen, wie sie unter Narkose oder im Koma vorkommen können.

  • Nahtoderfahrungen sind (körperlich) schmerzfrei, und bei ihnen überwiegen optische Eindrücke, wohingegen unterschwellige Wahrnehmungen meist akustisch und mit Schmerzen verbunden sind.

Eine akzeptable Theorie, die eine NTE in der Gesamtheit erklären kann, muss zum einen den unterschiedlichen Situationen, in denen Nahtoderfahrungen auftreten, gerecht werden, zum anderen die sehr verschiedenartigen Elemente einer NTE einbeziehen.“
Pim van Lommel, Endloses Bewusstsein.

Juli 2009
aktualisiert Januar 2010

Christian von Kamp

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Quellen:

Eibach, Ulrich, „Nahtoderlebnisse – Blick ins Jenseits?“, in: Bieneck, A., Hagedorn, H.-B., Koll, W. (Hrsg.): Ich habe ins Jenseits geblickt, Neukirchener Verlagshaus (2006)

Ewald, Günter, „Nahtoderfahrung und Weltbild“, in: Souvignier, G. (Hrsg.): Durch den Tunnel, Santiago Verlag (2007)

Ewald, Günter, „Nahtoderfahrungen. Hinweise auf ein Leben nach dem Tod?“, Verlagsgemeinschaft topos plus (2008)

Kuhn, Wilfried, „Neurobiologie der Nahtoderfahrung“, in: Serwaty, A., Nicolay, J. (Hrsg.): Nahtoderfahrung – Neue Wege der Forschung, Santiago Verlag (2009)

Knoblauch, HubertBerichte aus dem Jenseits“, Herder Verlag (1999)

Moody, Raymond A., „Nachgedanken über das Leben nach dem Tod“, Rowohlt Verlag (1978)

Moody, Raymond A., „Das Licht von drüben“, Rowohlt Verlag (1989)

Moody, Raymond A., „Leben nach dem Tod“, Rowohlt Verlag (2001)

Nicolay, Joachim, „Was hast du aus deinem Leben gemacht? – Ethische Impulse im Lebensrückblick“, sowie Einleitung, in: Serwaty, A., Nicolay, J. (Hrsg.): Nahtod und Transzendenz, Santiago Verlag (2007)

Nicolay, Joachim, „Nahtoderfahrungen im Vergleich der Kulturen, in: Serwaty, A., Nicolay, J. (Hrsg.): Nahtoderfahrung – Neue Wege der Forschung, Santiago Verlag (2009)

Schröter-Kunhardt, Michael, „Das Jenseits in uns“, Psychologie heute, Heft 6 (1993)

Schröter-Kunhardt, Michael, „Erfahrungen Sterbender während des klinischen Todes“, in: Sterben und Tod in der Medizin, Wiss. Verlagsgesellschaft (1996)

Schröter-Kunhardt, Michael, „Nah-Todeserfahrungen: Psychologisch-biologische Grundlage für den Glauben an ein Leben nach dem Tod“, in: Petersen, P.: Majestät des Todes – Bewegung des Lebens, 3. Symposion für künstlerische Therapien, Kongressband (1997)

Schröter-Kunhardt, Michael, „Nah-Todeserfahrungen aus psychiatrisch-neurologischer Sicht“, in: Soeffner, H.-G., Knoblauch, H. (Hrsg.): Todesnähe – Interdisziplinäre Zugänge zu einem außergewöhnlichen Phänomen, Universitätsverlag Konstanz (1999)

Schröter-Kunhardt, Michael, „Nah-Todeserfahrung – Grundlage neuer Sinnfindung“, in: Kick, Hermes A. (Hrsg.): Ethisches Handeln in den Grenzbereichen von Medizin und Psychologie, LIT Verlag (2002)

van Laack, Walter, „Nahtoderfahrungen – Vorhof zum Himmel oder bloße Hirngespinste?“, in: Serwaty, A., Nicolay, J. (Hrsg.): Nahtod und Transzendenz, Santiago Verlag (2007)

van Lommel, Pim, „Endloses Bewusstsein - Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung“, Patmos Verlag (2009)

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Diesen Text finden Sie auch in folgendem eBooklet:

und als Einzeltext-PDF: Sind Nahtoderfahrungen Halluzinationen, Träume oder Ähnliches?

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Was versteht man unter Nahtoderfahrungen bzw. Todesnähe-Erlebnissen?

Elemente und Komponenten von Nahtoderfahrungen

Das Erlebnis der Liebe in Nahtoderfahrungen - und was wir daraus lernen können

Meine neue Website über Nachtodkontakte

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Home: kostenlose eBooks, darunter auch der von Nahtoderfahrungen inspirierte Roman "Tod und Rückkehr"

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